Seit über zwanzig Jahren prägt Sabrina Palm die Folkmusik in Bonn – als Musikerin, Pädagogin und Impulsgeberin einer lebendigen Szene. Ihr Weg führte sie von ersten prägenden Begegnungen mit traditioneller Musik hin zu einer Lehrtätigkeit, die Generationen von Spieler:innen beeinflusst hat. All das zwischen Workshops, Ensembles und internationalem Austausch. Im Interview spricht sie über ihren Weg zur Folkmusik, die Besonderheiten des Unterrichts und darüber, warum gemeinsames Musizieren weit mehr ist als nur das Erlernen von Tönen.
Interview: Alex Peters; Foto: Monika Manthe
„Für mich ist Folk die ideale Musik im Unterricht.“
Vom Folkie zur Lehrerin: Wie war dein Weg zur Folkmusik und wie bist du zur Stelle an der Musikschule gekommen?
Meine Eltern haben viel Folkmusik gehört, ich bin also damit aufgewachsen. Das, was mir im Rahmen der institutionellen musikalischen Bildung geboten wurde, hat mich nie vollends begeistert, bis ich an der Offenen Jazzhausschule in Köln gelandet bin und dort von meinem Lehrer Sebastian Reimann zum ersten Mal gezeigt bekommen habe, wie man irische Musik auf der Geige richtig spielt. Meine eigenen Versuche vorher waren wenig zufriedenstellend gewesen. Als das passiert ist, ging es bei mir so richtig los, ich habe jeden Tag acht Stunden geübt und bin bei Tom Kannmacher in der Bonner Musikschule in der Folkband Rolling Wave gelandet. 2001 wurde ich von einer Studienkollegin gefragt, ob ich sie nicht unterrichten könne. Das war der Beginn mit dem Unterrichten. 2003 habe ich Tom gefragt, ob wir in Bonn nicht mal ein Workshopwochenende mit irischer Musik organisieren wollen. Der Fiddleworkshop, den ich da gegeben habe, war der Anfang als Lehrerin an der Musikschule. Zunächst habe ich nur die Fiddlekurse gegeben, dann auch noch andere Ensembles im Projektbereich an der Musikschule unterrichtet. Als Tom Kannmacher in Rente ging, habe ich schließlich seine Arbeit im Folkbereich an der Musikschule übernommen. Das muss vor fünfzehn Jahren gewesen sein. Bis 2025 war ich Honorarkraft, dann musste ich wegen des Herrenberg-Urteils fest angestellt werden.
Wie hat sich die Folkmusik während deiner Zeit an der Schule in den letzten zwanzig Jahren entwickelt?
Tom Kannmacher hat in den Achtzigern und Neunzigern die Ensembles offiziell als „Gitarrenspielkreis“ geführt. Mittlerweile stehen die Folkbands ganz selbstverständlich im Ensembleverzeichnis und werden als Ergänzung zum Klassik-Standardprogramm verstanden. Das ist schon eine große Entwicklung. Die Workshopwochenenden haben mittlerweile mehr als vierzigmal stattgefunden. Seit ein paar Jahren ist eine Summerschool für Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazugekommen. Als ich gestartet bin, habe ich angefangen, Austauschreisen nach Irland und Schottland zu organisieren. Das hat langfristige Verbindungen geschaffen. Dass es nun seit bestimmt vierzig Jahren Folkmusik an der Bonner Musikschule gibt, merkt man an einer lebendigen Folkszene in Bonn, Menschen in allen Altersgruppen, die Folkmusik spielen und das mit einer ziemlichen Kompetenz tun.
Was macht Folkmusik für dich im Unterricht besonders – und wie vermittelst du sie den Schüler:innen?
Für mich ist Folk die ideale Musik im Unterricht. Wer nach Gehör spielen kann, versteht Musik ganz anders. Das Zusammenspiel ist von Anfang an zentraler Bestandteil und auch das Verständnis, dass man selbst die Musik macht und dafür verantwortlich ist. Dazu kommt die soziale Komponente: Session spielen und gemeinsam tanzen. Das motiviert, auch dauerhaft dranzubleiben.
Wie reagieren die Schüler:innen auf diese Art zu lernen und zu musizieren – lassen sich Veränderungen beobachten, musikalisch oder persönlich?
Die Schüler:innen im Folkbereich sind wirklich sehr motiviert. Man merkt, dass man es nun mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, die sagen: „Ah, das Stück kenne ich schon, das spielt meine Mama immer in der Session.“ Die also schon als kleine Kinder immer dabei waren.
Wie feierst du das 25-jährige Jubiläum, und welche Rolle spielt Folkmusik dabei?
Mein Unterrichtsjubiläum haben wir am 31. Mai mit einem Konzert in der Bonner Nachfolge-Christi-Kirche gefeiert, bei dem verschiedene Konstellationen aus den 25 Jahren aufgetreten sind. Die aktuellen Bands Reel Talents, Bonnie Fiddlers und Old Folks waren dabei, aber auch die Young Folks – unter anderem mit Alex Froitzheim, der gerade mit Cara auf Tour war und das Jugendfolkorchester mitleitet –, Workshopteilnehmer und andere. Und bei so viel Leuten, die zusammenkamen, gab es natürlich im Anschluss eine zünftige Session und Tanz.
Mit Blick in die Zukunft: Was wünschst du dir für die Folkmusik, aber auch den Unterricht an den Musikschulen der Republik?
Es wäre schön, wenn im institutionellen Bereich mehr Wertschätzung für und Interesse an den Methoden der traditionellen Musik entstehen würden. Und umgekehrt fände ich es klasse, wenn im Folkbereich mehr qualitativ hochwertiger Unterricht angeboten würde. Davon könnten alle profitieren.
Neben ihrer Arbeit an der Musikschule Bonn ist Sabrina Palm in verschiedenen Ensembles aktiv (u. a. Palm Bay Frost, Duo Rasa, Reel Bach Consort) sowie im Leitungsteam des Jugendfolkorchesters und im Vorstand des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Wenn die Zeit es ihr erlaubt, schreibt sie zudem als Mitarbeiterin Artikel für den folker.






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